Auf ein Glas – der Blog

Gastrosophie

gasEin Begriff der zwei scheinbare Gegensätze miteinander in Verbindung bringt. Normalerweise versucht man den Verstand stets scharf vom Magen zu trennen, hier zeigen sie ihr Zusammenspiel.

Haben sie schon einmal von Ästhesie gehört? Bekannter ist die andere Seite des Begriffs, die Anästhesie. Wie ein Wein durch seine Aromen die Zunge anregen kann, vermag er sie ebenso zu betäuben. In kleinen Dosierungen verwandelt sich das Betäubende in sein Gegenteil, wird anregend.

So, wie nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war, kann der Geschmack aus der Narkose der Worte geboren werden, können Worte durch eine spezifische Nuancierung einen völlig neuen Sinn generieren.

Die schmeckende und die sprechende Zunge schließen einander aus. Ist das so?

Gastrosophie soll hier als Spielfeld der beiden Zungen verstanden werden. Nicht die Trennung zwischen Geschmack und Verstand soll hier durch Lernformeln unterstrichen, sondern die Synthese aus scheinbar klar unterschiedenen Bereichen unternommen werden. Verstand und Geschmack schließen sich nicht aus, sie bedingen einander, denn erst durch den Geschmack entsteht die Weisheit.

Es geht hier um Text, um Worte. Die schmeckende Zunge soll die sprechende anregen, sie zu neuen Begriffszusammenstellungen bringen. Es geht nicht um die Weisheit oder Klugheit des Essens, sondern um das, was durch das Essen angeregt oder transportiert wird. In diesem Sinne ist Gastrosophie hier dem Essen verpflichtet, allerdings in einem anregenden Sinn.

Es geht um die Verbindung beider Zungen – schreibend.

Bierarchäologie

(mer) Über Jahrhunderte galt Bier in weiten Teilen der Welt als Grundnahrungsmittel. Die Sumerer verbrauchten große Teile ihres Getreideanbaus zur Bierherstellung. Seefahrende Völker nutzten das länger haltbare Bier als Nahrungsquelle auf den Schiffen und noch die kräuterheilkundige Hildegard von Bingen zog den Genuss von Bier dem von Wasser vor. Kein Wunder: im Mittelalter wurde Bier vor allen Dingen gebraut, um den Durst auf gesunde Art zu löschen. So kam es, dass auch Kinder mehrere Liter dieses Getränks täglich zu sich nahmen.

Für eine typische englische Familie in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts – zu einer Zeit, in der sich der Genuss von Kaffee allmählich ausbreitet – stellt Wolfgang Schivelbusch in seinem grundlegenden Werk zur Geschichte der Genussmittel fest – beträgt der pro Kopf Verbrauch an Bier 3 Liter täglich, die Kinder sind hierbei eingeschlossen. „Das Bierbrauen gehört in dieser Zeit – obwohl es auch schon große Brauereien gibt – noch zur Hauswirtschaft wie das Brotbacken und das Schlachten. Es liegt in der Obhut der Hausfrau.“

Da die Zubereitung und der Genuss von Bier eine zentrale Rolle im Mittelalter aber auch in der Antike spielte, möchte man gerne wissen, was sich im Laufe der Zeit bei der Bierzubereitung geändert hat. Das amerikanische Smithsonian Magazin berichtete über eine erstaunliche Geschichte: Im Dogfish Head, einem Pub mit angeschlossener Brauerei wartet der Besitzer Sam Calagione auf den Archäologen Patrick McGovern. Denn dieser soll ein Bier probieren, welches Calagione nach einem alten ägyptischen Rezept gebraut hat. Midas Touch, so der Name des Bieres, das durch Grabbeigaben des König Midas inspiriert wurde, hat schon jede Menge Preise gewonnen. Nun soll McGovern diese experimentelle Archäologie testen, um durch die Erfrischung sein theoretisches Wissen praktisch werden zu lassen. McGovern ist ein Fachmann in Sachen alter Getränke. Er hat zahlreiche Artikel zu diesem Thema verfasst und unter anderem das älteste Bier der Welt – gefunden im Iran, es stammt aus dem Jahr 3.400 vor Christus – identifiziert.

Das Bier, welches er nun probiert schmeckt ihm sehr gut, doch auf die Frage, welches Getränk ihn bisher am meisten beeindruckt hat, sinniert der 66 Jährige, dann fällt es ihm ein: ein Riesling von der Mosel aus dem Jahr 1971. Als er diese Flasche gemeinsam mit seiner Frau trank, hatte der Wein etwas von Ambrosia, so der analytische Fachmann ganz metaphorisch.

Santé!

Buchtipp:
Wolfgang Schivelbusch: Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Eine Geschichte der Genussmittel. Fischer, Frankfurt/Main 2005

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