Auf ein Glas – der Blog

Gastrosophie

gasEin Begriff der zwei scheinbare Gegensätze miteinander in Verbindung bringt. Normalerweise versucht man den Verstand stets scharf vom Magen zu trennen, hier zeigen sie ihr Zusammenspiel.

Haben sie schon einmal von Ästhesie gehört? Bekannter ist die andere Seite des Begriffs, die Anästhesie. Wie ein Wein durch seine Aromen die Zunge anregen kann, vermag er sie ebenso zu betäuben. In kleinen Dosierungen verwandelt sich das Betäubende in sein Gegenteil, wird anregend.

So, wie nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war, kann der Geschmack aus der Narkose der Worte geboren werden, können Worte durch eine spezifische Nuancierung einen völlig neuen Sinn generieren.

Die schmeckende und die sprechende Zunge schließen einander aus. Ist das so?

Gastrosophie soll hier als Spielfeld der beiden Zungen verstanden werden. Nicht die Trennung zwischen Geschmack und Verstand soll hier durch Lernformeln unterstrichen, sondern die Synthese aus scheinbar klar unterschiedenen Bereichen unternommen werden. Verstand und Geschmack schließen sich nicht aus, sie bedingen einander, denn erst durch den Geschmack entsteht die Weisheit.

Es geht hier um Text, um Worte. Die schmeckende Zunge soll die sprechende anregen, sie zu neuen Begriffszusammenstellungen bringen. Es geht nicht um die Weisheit oder Klugheit des Essens, sondern um das, was durch das Essen angeregt oder transportiert wird. In diesem Sinne ist Gastrosophie hier dem Essen verpflichtet, allerdings in einem anregenden Sinn.

Es geht um die Verbindung beider Zungen – schreibend.

Branntweinimperium

(mer) Wer kennt schon Solomon Gursky? Kein Mensch, aber es lohnt sich, diesen Mann für sich zu entdecken. Denn schließlich bildet diese bezaubernde Romanfigur die Metapher für einen der größten Spirituosenkonzerne der Welt.

Dabei scheint die Fiktion des Romans mit der Wirklichkeit zu verschmelzen. Just in dem Moment, in welchem sich der Konzern von seinem Kerngeschäft trennt wird der Roman veröffentlicht. Als der Konzern verkauft wird, stirbt der Autor Mordecai Richler. Was also hat es mit dem Roman „Solomon Gursky war hier“ auf sich? Und was hat es mit dem kanadischen Konzern Seagram´s auf sich?

Der wahre Kern der Geschichte
Joseph E. Seagram beteiligte sich 1869 als Partner an einer Brennerei, welche er 1883 übernahm und ihm seinen Namen gab. Samuel Bronfman kaufte die kleine Destillerie in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts auf und profitierte von der Prohibition in den USA. Zu seinen wichtigsten Kunden zählten zu dieser Zeit Al Capone und Arnold Rothstein, welche die Spirituosen illegal unters Volk brachten. Sie trugen der Familie Bronfman ein Vermögen ein und Samuel Bronfman wurde 1967 für seine Verdienste um Kanada ausgezeichnet. Er leitete das Unternehmen bis kurz vor seinem Tod 1971 und übergab die Geschäfte an seinen Sohn, welcher das Unternehmen diversifizierte und in den Unterhaltungsmarkt einstieg.

Der Rest der Unternehmensgeschichte ist schnell erzählt: der Einstieg in den Musik und Filmmarkt war ein lohnenswertes Geschäft. So lohnenswert, dass man sich ab 1999 daran machte, das ehemalige Kerngeschäft zu veräußern und damit seine Firmengeschichte zu verschleiern. Im Jahr 2000 wurde Seagram durch Vivendi für 34 Milliarden US-Dollar gekauft. Alle noch im Firmenbesitz befindlichen Getränkesparten wurden samt der zugehörigen Namensrechte an die Unternehmen Pernod Ricard und Diageo verkauft.

Die unglaubliche Fiktion
Wenn sie Woody Allens Humor mögen, seine Filme aber meistens zu langatmig finden, dann sind sie hier bestens aufgehoben. Denn was in „Solomon Gursky“ passiert, würde die Witze für 10 Woody Allen Filme liefern, dabei allerdings müsste noch der aberwitzige absurde Humor geglättet werden, sonst würden Allen-Fans sicherlich überfordert. Woody Allen meets Monthy Python in Romanform.

Der Roman handelt, wie gerade beschrieben nicht zufällig von Aufstieg und Fall eines Spirituosenunternehmens. Dabei liegt der besondere Verdienst von Richler darin, dass er uns Montreal plastisch näher bringt und damit auch die Geschichte der Einwanderer Kanadas seit Mitte des 19 Jahrhunderts, sowie einen historischen Abriss des kanadischen Judentums.

Er erzählt episch und schnell zugleich. Die altestamentarische Erzählgewalt seiner Prosa wird durch wahre Achterbahnfahrten der verschiedenen Blickwinkel und Zeiten kombiniert. Dabei entsteht ein Roman, der einen klarer auf die Geschichte Montreals und seiner Bewohner, aber auch auf das spezielle Spirituosenunternehmen blicken lässt.

Mordecai Richler wurde 1931 in Montreal als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren. Nach Aufenthalten in Paris, London und New York zog es ihn wieder in seine Heimatstadt, zu deren Chronisten er avancierte.

Die hier vorgestellte Geschichte ist auch die Geschichte eines der größten Getränkeunternehmens der Welt. Kurz nach der Zerschlagung des Unternehmens starb Morecai Richler im Jahr 2001. Davon, ass sein Leben auf einzigartige Weise mit der Geschichte dieses Getränkeunternehmens verknüpft war, legt dieses kurzweilige Buch beredt Zeugnis ab.

Santé!

Buchtipp:
Mordecai Richler: “Solomon Gursky war hier”. Roman. Aus dem Englischen von Hartmut Zahn, Carina von Enzenberg. Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München 2011. 644 S., geb., 24,80 EUR.

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