Auf ein Glas – der Blog

Gastrosophie

gasEin Begriff der zwei scheinbare Gegensätze miteinander in Verbindung bringt. Normalerweise versucht man den Verstand stets scharf vom Magen zu trennen, hier zeigen sie ihr Zusammenspiel.

Haben sie schon einmal von Ästhesie gehört? Bekannter ist die andere Seite des Begriffs, die Anästhesie. Wie ein Wein durch seine Aromen die Zunge anregen kann, vermag er sie ebenso zu betäuben. In kleinen Dosierungen verwandelt sich das Betäubende in sein Gegenteil, wird anregend.

So, wie nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war, kann der Geschmack aus der Narkose der Worte geboren werden, können Worte durch eine spezifische Nuancierung einen völlig neuen Sinn generieren.

Die schmeckende und die sprechende Zunge schließen einander aus. Ist das so?

Gastrosophie soll hier als Spielfeld der beiden Zungen verstanden werden. Nicht die Trennung zwischen Geschmack und Verstand soll hier durch Lernformeln unterstrichen, sondern die Synthese aus scheinbar klar unterschiedenen Bereichen unternommen werden. Verstand und Geschmack schließen sich nicht aus, sie bedingen einander, denn erst durch den Geschmack entsteht die Weisheit.

Es geht hier um Text, um Worte. Die schmeckende Zunge soll die sprechende anregen, sie zu neuen Begriffszusammenstellungen bringen. Es geht nicht um die Weisheit oder Klugheit des Essens, sondern um das, was durch das Essen angeregt oder transportiert wird. In diesem Sinne ist Gastrosophie hier dem Essen verpflichtet, allerdings in einem anregenden Sinn.

Es geht um die Verbindung beider Zungen – schreibend.

Carpaccio

(mer) Vittore Carpaccio, 1455 in Venedig geboren, brachte das erzählende Element in die Malerei dieser neuen Zeit. Nicht nur sein Bilder-Zyklus über das Leben der heiligen Ursula, sondern ebenso seine Werke über den heiligen Georg erzählen die Geschichte der Heiligen. Darüber hinaus zeichnen sich seine Werke durch exakte Darstellungen der Architektur, aber auch durch die Verwendung kräftiger Farben, insbesondere kräftiger Rottöne aus.

So verwundert es auch nicht, dass dieser Mann ziemlich genau zu seinem 500. Geburtstag geehrt wurde, da er der Namenspatron eines Gerichts wurde, welches später überall in der westlichen Welt Triumphzüge feiern sollte. 1950 begab sich die Gräfin Amalia Nani Mocenigo nach Venedig und besuchte dort die damals noch relativ unbekannte Harry´s Bar, um sich von ihrer Melancholie ablenken zu lassen. Doch Giuseppe Cipriani, Chef des Hauses bemerkte ihr Ungemach und erkundigte sich nach dessen Grund. Die Gräfin litt unter den Folgen einer strengen Diät, welche ihr von ihrem Hausarzt aufgetragen worden war. So durfte sie weder gekochtes, noch gebratenes Fleisch zu sich nehmen und musste also den Verlockungen der Küche des Hauses entsagen. In ihrer Wehmut hatte sie die Findigkeit des Kochs unterschätzt, oder wollte diese gerade anstacheln. Giuseppe eilte in die Küche, nahm ein Stück stark gekühltes Rinderfilet und seine Spezialsauce zur Hand. Er schnitt das Fleisch in hauchdünne Scheiben, die er noch etwas flach klopfte. Dann richtete er die Scheiben auf einem großen Teller an und überzog sie mit seiner Harry´s Spezialsauce, die damals zu allen möglichen Gerichten gereicht wurde. Sie wurde aus Mayonnaise, Worcestersauce, Zitronensaft und Milch hergestellt und mit Senf, Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

Der Gräfin mundete das Gericht, welches ihr unerhofften Fleischgenuss bei gleichzeitiger Einhaltung der Diätvorschriften ermöglichte, vorzüglich. Auf die Frage, wie dieses Gericht denn hieße, schaute Capriani auf das rot glänzende Fleisch und ihm viel der Name des Malers ein, der gerade durch eine große Ausstellung in seiner Geburtstadt geehrt wurde: Carpaccio.

Kurze Zeit später wurde die Bar von trinkfesten Größen des internationalen Jet-Sets entdeckt. Ernest Hemingway wurde hier ebenso Stammgast, wie Truman Capote oder Orson Welles. Sie sorgten nicht nur für die Verbreitung des Bellinis, eines Cocktails aus Prosecco und Pfirischmark, sondern ebenso für den internationalen Siegeszug des Carpaccios.

Zum Glück würde die Sauce im Laufe der Zeit stark verändert.

Santé!

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