Auf ein Glas – der Blog

Gastrosophie

gasEin Begriff der zwei scheinbare Gegensätze miteinander in Verbindung bringt. Normalerweise versucht man den Verstand stets scharf vom Magen zu trennen, hier zeigen sie ihr Zusammenspiel.

Haben sie schon einmal von Ästhesie gehört? Bekannter ist die andere Seite des Begriffs, die Anästhesie. Wie ein Wein durch seine Aromen die Zunge anregen kann, vermag er sie ebenso zu betäuben. In kleinen Dosierungen verwandelt sich das Betäubende in sein Gegenteil, wird anregend.

So, wie nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war, kann der Geschmack aus der Narkose der Worte geboren werden, können Worte durch eine spezifische Nuancierung einen völlig neuen Sinn generieren.

Die schmeckende und die sprechende Zunge schließen einander aus. Ist das so?

Gastrosophie soll hier als Spielfeld der beiden Zungen verstanden werden. Nicht die Trennung zwischen Geschmack und Verstand soll hier durch Lernformeln unterstrichen, sondern die Synthese aus scheinbar klar unterschiedenen Bereichen unternommen werden. Verstand und Geschmack schließen sich nicht aus, sie bedingen einander, denn erst durch den Geschmack entsteht die Weisheit.

Es geht hier um Text, um Worte. Die schmeckende Zunge soll die sprechende anregen, sie zu neuen Begriffszusammenstellungen bringen. Es geht nicht um die Weisheit oder Klugheit des Essens, sondern um das, was durch das Essen angeregt oder transportiert wird. In diesem Sinne ist Gastrosophie hier dem Essen verpflichtet, allerdings in einem anregenden Sinn.

Es geht um die Verbindung beider Zungen – schreibend.

Mops&Wein

(mer) Es tut weh, wenn ein guter Freund geht. Ich kannte ihn nicht und doch seit meiner Kindheit. Loriots Werke stehen seit langen Jahren in meinem Bücherregal. Seine Zeichnungen haben mir den Zugang zur Bildsprache verschafft. Er hat mich begleitet wie ein guter Bekannter, nur unaufdringlicher. Nie ungefragt, bis heute. Da macht er auf die denkbar schlechteste Art auf sich aufmerksam, was eigentlich nicht seinem Naturell entspricht und genau genommen natürlich nicht verzeihlich ist.

Als die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ihn im letzten Jahr zu ihrem Ehrenmitglied ernannte, freute ich mich schon auf die Sondersendungen zu seinem 90igsten Geburtstag. Für mich war klar: Diesen Mann haut nichts aus den Pantinen. Wer so liebevoll mir den Objekten seines Humors umgeht, der wird sicherlich 120 oder mehr Jahre alt.

Loriot ist zu früh verstorben. Mit ihm ist ein erstaunlich aktiver kulinaristischer Geist von uns gegangen. Denn sicherlich kann man sich an die Nudel erinnern, die das Werben des Mannes um die Frau zu einer Groteske werden lässt. In Erinnerung bleibt auch die Ode an das Frühstücksei, ebenso wie der Jäger im Reisrand. Ob es sich dabei um die Filetstücke handelt, welche seine Frau für sich als sonntägliches Bratenstück zurückhält, nachdem sie ihren Mann nach allen Regeln der Kunst über Kimme und Korn erschossen und in seine Einzelteile zerlegt hat, wird allerdings für immer ein Geheimnis bleiben, welches Loriot mit ins Grab nehmen wird. Ungeklärt bleibt nun natürlich die Frage, ob die Steinlaus mit ihrem ungebändigten Appetit tatsächlich verantwortlich für den Fall der Berliner Mauer war und ob sie zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs aktiv beigetragen hat. Verwunderlich wäre dies nicht, denn diese possierlichen Tierchen benötigen knapp 30 kg Beton und Stein und wer sonst sollte hier die Verantwortung tragen?

Durch Loriots viel zu frühes Ableben bleiben so seine geplanten Werke über „Mops&Wein“, „Dekantieren bei Kerzenlicht“ und „Delikatessen in der Badewanne“ unvollendet. Dies ist umso bedauerlicher, als er auch hier sicherlich einiges Erhellendes beigetragen, wenn nicht sogar ein grundlegendes Werk für ein späteres Forschungsfeld geliefert hätte. Aber man darf nicht grübeln, denn Loriot hat uns das Standardwerk „Der gute Geschmack“ hinterlassen. Hier werden wir fündig und kochen alle Rezepte gegen die Trauer und für den Leichenschmaus.

Zum Kosakenzipfel gibt es dann keine Campingbekanntschaften, kein Jodeldiplom, sondern Wein und Wodka.

Santé!

Buchtipp:
Loriot: Der gute Geschmack. Erlesene Rezepte für Küche und Karriere. Diogenes Zürich. 7,90 EUR

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