Auf ein Glas – der Blog

Gastrosophie

gasEin Begriff der zwei scheinbare Gegensätze miteinander in Verbindung bringt. Normalerweise versucht man den Verstand stets scharf vom Magen zu trennen, hier zeigen sie ihr Zusammenspiel.

Haben sie schon einmal von Ästhesie gehört? Bekannter ist die andere Seite des Begriffs, die Anästhesie. Wie ein Wein durch seine Aromen die Zunge anregen kann, vermag er sie ebenso zu betäuben. In kleinen Dosierungen verwandelt sich das Betäubende in sein Gegenteil, wird anregend.

So, wie nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war, kann der Geschmack aus der Narkose der Worte geboren werden, können Worte durch eine spezifische Nuancierung einen völlig neuen Sinn generieren.

Die schmeckende und die sprechende Zunge schließen einander aus. Ist das so?

Gastrosophie soll hier als Spielfeld der beiden Zungen verstanden werden. Nicht die Trennung zwischen Geschmack und Verstand soll hier durch Lernformeln unterstrichen, sondern die Synthese aus scheinbar klar unterschiedenen Bereichen unternommen werden. Verstand und Geschmack schließen sich nicht aus, sie bedingen einander, denn erst durch den Geschmack entsteht die Weisheit.

Es geht hier um Text, um Worte. Die schmeckende Zunge soll die sprechende anregen, sie zu neuen Begriffszusammenstellungen bringen. Es geht nicht um die Weisheit oder Klugheit des Essens, sondern um das, was durch das Essen angeregt oder transportiert wird. In diesem Sinne ist Gastrosophie hier dem Essen verpflichtet, allerdings in einem anregenden Sinn.

Es geht um die Verbindung beider Zungen – schreibend.

Paranoia – Essen unter Verfolgungswahn

(mer) „Shutter Island“ ist Martin Scorseses filmischer Beitrag zum Thema einer ins Extrem gesteigerten Paranoia. Dabei gelingt es dem Regisseur, die Zuschauer selbst in die Lage des Kranken zu versetzen. Alles, was sie erleben ist schon Teil der paranoiden Phantasmagorie. Erst spät müssen sich die Zuschauer eingestehen, dass sie sich haben täuschen lassen. Aus der „whodunit“ Perspektive taucht auf einmal die der Gesunden als feindliche Perspektive auf. Erst jetzt wird der Zuschauer damit konfrontiert, dass er alle Überlegungen aus der Perspektive des paranoiden Hauptdarstellers heraus angestellt haben.

Dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass dieser Film von so manchem getäuschten narzisstischen Filmkritiker kein gutes Zeugnis erhielt, obwohl der Film selbst gerade durch diese Grundidee überzeugt und sicherlich zu den am besten strukturierten Filmen des amerikanischen Regisseurs zu zählen ist.

Was jedoch von jeglicher Kritik unbeleuchtet blieb: das Essen im Film findet nicht statt. Abgesehen von mehreren klaren Hinweisen, die der Regisseur streut, wäre dies das eindeutigste Symbol dafür, dass hier etwas nicht stimmen kann. Denn wenn man den Paranoiden mit Nahrung konfrontiert, wäre der sorgsam arrangierte Plot aus den Fugen geraten. Hier hätten die Zuschauer gemerkt, dass sie die paranoide Sicht des Hauptdarstellers teilen. Philosophisch betrachtet stellt die Einverleibung von Speisen bei extremer Paranoia ein interessantes Phänomen dar. Wie kann der Kranke dem Braten trauen? Muss er nicht in permanenter Angst leben durch die Nahrung, die er zu sich führt, vergiftet zu werden? Oder wird genau dieser Teil der bedingungslosen Teilnahme am zwischenmenschlichen Verhalten aus der Wahnvorstellung ausgeblendet?

Von Kleopatra ist überliefert, dass sie selbst keine Speisen anrührte, die nicht zuvor von ihrem Vorkoster getestet worden waren. Auch von anderen Herrschern ist diese Technik bekannt, allerdings lässt sich hier nicht unbedingt eine Paranoia attestieren, waren sie doch einer realen Gefahr durch vergiftetes Essen ausgesetzt.

Welche Trinkgewohnheiten hat ein Mensch, der unter Paranoia leidet? Sind sie auffällig? Nimmt er z.B. nur speziell gefiltertes Wasser zu sich?Vielleicht könnte auch die Untersuchung der Eßgewohnheiten von Anders Behring Breivik, der am vergangenen Freitag in Oslo dieses verheerende Attentat und den anschließenden Massenmord verübte Rückschlüsse auf dieses Phänomen zulassen.

Santé!

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