Auf ein Glas – der Blog

Autochthone Rebsorten als Erfolgsrezept: die Bodega Mustiguillo

Toni Sarrión - Besitzer und visonärer Kopf der Bodega Mustiguillo

Besitzer und visonärer Kopf der Bodega Mustiguillo

Auf der ProWein 2016: Export-Manager Rafa Soto Mahamud

Erst im Jahr 1999 entschied sich Toni Sarrión dazu, mit der familieneigenen Bodega Mustiguillo auf die autochthone Rebsorte Bobal zu setzen. Zwar kam die Ernte des ersten Jahres nie auf den Markt, aber die Ergebnisse bestätigten den Weinmacher darin, mit dem Bobal die richtige Rebsorte für das Terroir der Bodega Mustiguillo gefunden zu haben. Ein Jahr später präsentiert die Bodega mit "Quincha Corral" und "Finca Terrerazo" ihre ersten beiden Weine.

Die Weine, obgleich nur als einfache Vino de Mesa deklariert, überzeugen Weinliebhaber wie Kritiker. Zwei Jahre später, 2002, folgt der rote "Mestizaje", eine Cuvée aus Bobal und anderen Rebsorten. Den weißen "Mestizaje", der aus der ebenfalls autochthonen Rebsorte Merseguera hergestellt wird, kredenzt die Bodega Mustiguillo 2011 dem Weinpublikum.

Seit 2010 kann sich die Bodega mit dem gesondert ausgewiesenen Weinbaubereich DOP El Terrerazo zu der illustren Reihe der Weingüter zählen, die einen "Vino de Pago" produzieren. In zehn Jahren vom "Vino de Mesa" zur höchsten Qualitätsstufe für spanischen Weine: unzweifelhaft eine Weinkarriere allererster Güte.

Ein Gespräch mit dem Besitzer des Weinguts Toni Sarrión und dem Export-Manager Rafa Soto Mahamud.


Jeder fünfte importierte Wein in Deutschland kommt aus Spanien. Welche Bedeutung hat der deutsche Markt für die Bodega Mustiguillo?

Rafa Soto Mahamud: Für uns wird der deutsche Markt immer wichtiger, zur Zeit steht er in unserem Export-Ranking an fünfter Stelle. Aber bereits seit dem Start unseres Weinguts im Jahr 1999 exportieren wir nach Deutschland. Die erste Bestellung einer kompletten Palette haben wir jedoch erst 2002 gehabt. Mehr Umsatz machen wir im Moment noch in den USA und der Schweiz, in Japan und Belgien.

Und der Export nach Deutschland hat noch Luft nach oben?

Rafa Soto Mahamud: Sicherlich, weil sowohl die gehobene Gastronomie als auch die deutschen Weintrinker mit etwas mehr Weinwissen stärker nach autochthonen Rebsorten verlangen, nach einzigartigen Weinen. Vielleicht ist das sogar eine Reaktion der Konsumenten auf das herkömmliche Image des spanischen Weines, der in erster Linie über den Preis verkauft.

Was sind denn die spezifischen Hürden? Was macht den deutschen Markt so besonders?

Toni Sarrión: Für unsere Bodega ist es in erster Linie der Preis, der Schwierigkeiten bereitet. Zwar verstehen immer mehr Konsumenten, dass höheren Preisen auch besseren Qualitäten entsprechen. Um so wichtiger ist es für die Bodega Mustiguillo jene Weininteressierten zu erreichen, die neue gute Weine kennenlernen möchten, die mehr über Wein lernen möchten und für die der Preis nicht das allein ausschlaggebende Kriterium ist.

Kennen die Deutschen denn überhaupt das Anbaugebiet DOP El Terrerazo? Wissen sie, was ein Vino de Pago ist?

Toni Sarrión: Im allgemeinen sicherlich nicht. Obgleich so mancher Weinkonsument in Deutschland sich gut auskennt und über mehr Weinkenntnisse verfügt als der durchschnittliche spanische Konsument.

Muss man das nicht ändern und mehr aufklären? Oder bleibt es letztlich doch wieder eine Frage des Preises?

Rafa Soto Mahamud: Damit der Preis-Faktor nicht so entscheidend ist, müssen wir mehr Anstrengung auf die Information verwenden, mehr noch in die Kommunikation mit Interessenten und Kunden investieren. Aber wir sind nur eine kleine Bodega ... da hilft uns die Mund-zu-Mund-Propaganda oft am meisten.

Aber erklären Sie uns doch bitte, was ein Vino de Pago ist. Welche besondere Qualität ist an diese Bezeichnung geknüpft?

Toni Sarrión: Die Idee des Vino de Pago richtet sich gegen die in Spanien angestammte Klassifizierung, die sich in erster Linie an der Reifezeit der Weine orientiert. Sie stammt ursprünglich aus dem Rioja und wurde später für alle spanischen Weine übernommen. Mit dem Vino de Pago richten wir den Blick stärker auf das Terroir und das Winzerhandwerk. "Pago" entspricht daher eher dem italienischen "Tenuta", französischen "Cru" oder englischen "Estate".

Diese Klassifizierung garantiert, dass alle verarbeiteten Trauben aus konkret bezeichneten Weingärten stammen, die vorab genau definiert sind und stets auf die Besonderheiten einer Lage abheben. Zudem dürfen diese Weingärten nur in der unmittelbarer Nähe der Bodega liegen, so dass es sich um eine klare Zuordnung von Terroir und Bodega handelt. Ein Vino de Pago ist also ein Wein aus einer Einzellage.

Darüber hinaus ist genau festgelegt, wie im Weinberg und wie im Keller zu arbeiten ist – was genau dokumentiert und extern überprüft wird. Im Fall der DOP El Terrerazo ist dies alles in einem Dekret bis ins letzte Detail geregelt.

Wie sehen Sie den Wettbewerb zwischen den spanischen Anbaugebieten? Nahezu alle haben in jüngster Vergangenheit ihre Anstrengungen für den Export deutlich erhöht. Wie verändert sich dadurch das Bild der spanischen Weine im Ausland?

Rafa Soto Mahamud: Ganz allgemein natürlich positiv, weil dadurch die Vielfalt der spanischen Weine in den Vordergrund rückt und nicht immer nur über Rioja gesprochen wird. Auf der anderen Seite müssen wir uns aber um ein einheitlicheres Bild der spanischen Weine kümmern und die Anstrengungen noch erhöhen. Im Augenblick schaut jede Denominación de Origen nur auf die eigenen Weine. Es fehlt eine gemeinsame Wahrnehmung der spanischen Weine und ihrer Qualitäten.

Wir haben uns das letzte Mal auf der ProWein in Düsseldorf gesehen. Welche Bedeutung hat diese Messe für die Bodega Mustiguillo? Auch im Vergleich zu den anderen europäischen Weinmessen?

Rafa Soto Mahamud: Für uns ist die ProWein mit Abstand die wichtigste Messe und ich glaube das gilt für die meisten Hersteller in dieser Branche.

Und was verpassen die Deutschen, wenn sie keinen spanischen Weinen im Allgemeinen und keine Weine der Bodega Mustiguillo im besonderen trinken?

Toni Sarrión: Na ganz allgemein bieten die spanischen Weine ein unglaublich gutes Preis-Qualitäts-Verhältnis. Und wenn es um die Weine der Bodega Mustiguillo geht, so glauben wir, dass wir auf der Landkarte der mediterranen Weingüter mit unserem Fokus auf die autochthonen Rebsorten Bobal und Merseguera für zusätzliches Profil sorgen.

Der Kontrast von mediterranem Terrain und eher kontinentalem Klima, der die DOP El Terrerazo auszeichnet, sowie die große Sorgfalt, die wir unseren Reben zukommen lassen, machen uns für Weinliebhaber sicherlich interessant. Unsere Weine zeichnen sich durch eine eigene, große Persönlichkeit aus.

(mer/MS)

Toni Sarrión - Besitzer und visonärer Kopf der Bodega Mustiguillo

Besitzer und visonärer Kopf der Bodega Mustiguillo

Auf der ProWein 2016: Export-Manager Rafa Soto Mahamud